Montag, 29. Januar 2007

Probentagebuch 7

Immer dieses Entscheiden ... Oft steht man als Regisseur bei den Proben vor mehreren Möglichkeiten (eigentlich steht man ständig vor unendlich vielen - seufz) und muss nun entscheiden, welchen Weg man gehen will. Manches wird mit den Schauspielern besprochen und gemeinsam entschieden, aber sehr oft gibt die Regie die Richtung vor. (Sonst ergäbe sich wohl auch ein reichlich unzusammenhängendes Gemisch ...)
Bei einem Stück wie diesem ist das jedoch gar nicht so leicht: alles, die Beziehungen, die Figuren selbst sollen möglichst "in der Schwebe" bleiben - am deutlichsten wird das bei Osvald: der soll ein bisschen ein Anarcho-Punk sein, aber eben auch ein romantischer Träumer; dennoch muss er den pragmatischen Roland von seinem Plan überzeugen können, darf also nicht zu abgeweht sein; andererseits wieder müssen die Zuschauer (und Laura) ihm wirklich glauben, dass es den Goldenen Fisch tatsächlich gibt ...
Eine simple "Rollenbiografie", bei welcher man sich überlegt, was für einen Hintergrund die Figur haben könnte, reicht da nicht aus - genausowenig wie ein simpler Interpretationsansatz für das Stück ausreicht. Klar: es geht um Liebe, aber auch um Träume und Illusionen. Um ILLUSIONEN geht es wohl am meisten. Und das eben auch auf einer höheren Ebene: Theater selbst ist ja eine Illusion, und mit der spielt das Stück ebenfalls: die Erwartungen der Zuschauer werden genauso durcheinandergewirbelt wie die der Figuren im Stück: ist das jetzt ein "Beziehungsdrama" oder ein "Krimi"? - doch ein "Märchen"? - wollen die mich jetzt verar...???

So viel ist zumindest jetzt schon klar: letzteres wollen wir nicht!

1 Kommentar(e):

FitzLade hat gesagt…

All das Leid und so wenig was man als Freund tun kann - ich versuch's halt mal.

Von mir kriegst du natürlich keine Rollenbiografie (das ist eine Aufgabe zwischen Schauspieler und Regisseur) und hoffentlich keine allzu simple Stückinterpretation.
Wie immer orientiere ich mich an Bildern. Gedanken zum Bungee Jumping als Metapher hab' ich ja schon gepostet - daher jetzt erstmal zum fischigen:

Bei Fischen, die Wünsche erfüllen, denke ich natürlich erstmal an "Vom Fischer und sin Fru". (Ist das heute noch generell naheliegend? Hat bisher noch keinen Eingang in die Diskussion hier im Blog gefunden.) Aus diesem Märchen zwei Versatzstücke:
- Wenn man einen magischen Fisch fängt und ihn wieder freilässt, erfüllt er einem einen Wunsch
- Wenn man zu gierig ist, hat man am Ende genauso wenig wie zuvor.

Mal sehen, was das so ergibt:
Osvald's Wünsche? Der Wunsch nach einem Kunststudium scheitert am Geld - also wünscht er sich Geld ('Geh nur nach Hause,' sagte der Fisch, 'das Geld liegt schon in der Kammer.').
Als er merkt, das 4.000.000.000$ in einer einsamen Waldhütte doch nicht alles sind, wünscht er sich seine Traumfrau herbei. Und auch der Wunsch wird ihm erfüllt. Und nun will er sie auch noch bei sich behalten - und das Resultat kennen wir ja schon von den Gebr. Grimm.
Hier übrigens eins der vielen auf-und-ab eines Bungee Jumps: Laura ist ja auch so ein goldener Fisch, ganz deutlich und unübersehbar durch ihren Anhänger gekennzeichnet. Und eigentlich hat er sie ja auch an der Angel - wer weiß, wenn er sie wieder freiließe, vielleicht erfüllte sie ihm auch einen Wunsch?

Hilft das jetzt beim Inszenieren? Ist ein Plädoyer fürs Märchenhafte im Stück. Und Märchen brauchen keine Rollenbiographien sondern Archetypen. Bis das Bungee-Seil sich strafft und dir dein Märchen wieder in die Ebene 'Beziehungsdrama' zieht. Aber du willst das ja auch schwebend - zappelnd wie am Ende eines Bungees - oder einer Angel?

Dazu vielleicht noch: Der Pizzamann hat zum Schluss alle drei Fischchen am Haken, und lässt dann doch alle drei wieder frei. Welcher Wunsch wird ihm dann wohl erfüllt?