Bungee Jumping Ensemble
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Mittwoch, 24. Januar 2007

Probentagebuch 6

Nun schon zwei Proben ohne Bericht - also höchste Zeit ...

Wir arbeiten momentan die Anfangsszenen und finden reizvolle Klippen im Text: "warum sagt sie jetzt das?" - "wieso ist da diese Pause?". Bei vielen anderen Stücken kann man über solche Ungereimtheiten hinweggehen und einfach drauflos inszenieren. Aber hier merkt man, wie gut Tättes Vorlage ist (ähnlich wie im vergangenen Jahr Lutz Hübners "Herz eines Boxers"). Vielleicht "passt das nicht", weil wir zu schnell darüber hinweggegangen sind? Wenn man den Text nicht runterrappelt, sondern an diesen Punkten Aktionen einfügt (stumme Reaktionen, Bewegungen, Gänge ...), dann ergibt sich plötzlich Sinn aus einem vorher unverständlichen Dialog.

Das ist vielleicht eins der spannendsten Dinge an meiner Arbeit: immer wieder kommt man auf ganz neue, nicht vorhersehbare Ideen ...
Osvald statten wir mehr und mehr mit autistischen Zügen aus. Daraus ergeben sich schon in den ersten Szenen ungeheuer zärtliche Momente: Annäherung an Laura, Einschlafen mit "Wilson", Zurückziehen in sich selbst ... Das macht die Rolle wahnsinnig schwierig: er pendelt immer wieder zwischen normalem Gespräch und für sich selbst gesprochenen Sequenzen hin und her. Dazu kommt, dass er nun auch noch einzelne Sätze als Zitate spricht: wenn er die Allerweltsweisheiten von sich gibt ("Kinder, das Leben ist schön" - "Für die Gäste nur das Beste"), könnten das Sprüche sein, die sein (verhasster?) Vater ständig von sich gab.
Dieser Vater wird nie erwähnt, aber wir müssen uns ja überlegen, warum die vier Menschen, die wir auf der Bühne sehen, so sind, wie sie sind. Warum ist Roland so spießig? (Ist er das wirklich???) Warum lebt Osvald hier in der Hütte? Warum haut Laura nicht mit Roland ab? ...
Wenn die Darsteller die Geschichte ihrer Figur im Hinterkopf haben, ergeben sich viele Sätze, Haltungen, Bewegungen von ganz allein. Dadurch wird eine Figur lebendig. Das Publikum kennt die ganze Geschichte zwar nicht, aber vielleicht ahnt es sie, vor allem aber sieht es eine "stimmige" Figur.
Natürlich schaffen wir dabei noch nicht richtig viel Text, aber das ist auch nicht schlimm: zum einen macht es riesigen Spaß, diese Figuren zu ergründen, zum anderen wird es später die Arbeit erleichtern. Natürlich war zu Anfang Osvald im Zentrum unserer Überlegungen. Nun (wenn wir die zweite Szene weiter arbeiten) wird Laura mehr in den Fokus kommen und dann natürlich auch Roland.

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Sonntag, 21. Januar 2007

Titel und Personen

In den letzten Posts (und sicher auch zukünftig) wird ja Bezug genommen auf den (Unter-) Titel, die Namen usw. Unter "Dokumente und Texte" kann nun jeder die Titelseite lesen und sich selbst Gedanken machen ...

Dort gibt's übrigens auch ein Szenario (wer ist wann auf der Bühne).

Hier mal ein Plakatentwurf - was haltet Ihr davon?

iiii

Und noch eine ganz andere Idee von Markus: ein Banner (mindestens 1x2 Meter groß) mit Photos der vier Darsteller ...

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Freitag, 19. Januar 2007

Die Geschichte vom goldenen Fisch.. oder was soll der ganze Quatsch

Die Geschichte vom goldenen Fisch.
Wie bei jedem Stück, frage ich mich, was will der Autor sagen, was will er erreichen? Aus welchen Gründen sucht er sich diese oder jene Motive aus?
So auch bei „Bungee Jumping“. WARUM?
Was ist das überhaupt für ein Stück, und was verdammt will mir Tätte damit sagen?
Die Antwort liegt nicht klar auf der Hand, er hat keine Holzhammer-Tragödie geschrieben.
Also, um nicht gleich nach dem Sinn des Lebens zu fragen und um dann aufzuhören nachzudenken, aus Angst man könne keine Lösung finden, fange ich mit den kleinen, etwas offensichtlicheren Dingen an. Also mit dem Subtitel des Krimis:
Die Geschichte vom goldenen Fisch. Der goldene Fisch, ein Motiv, dass sich durch das ganze Märchen hindurch zieht. Zerlegen wir nun auch erstmal diesen Teil:
Gold. Ja das ist einfach. Gold glänzt, Gold ist schön, goldenes Haar, Gold ist wertvoll, Gold ist die Sonne, Gold schimmert, Gold ist ein Schatz, - ist Gold Geld? OK, Cosma, nicht gleich verzweifeln, nichts überstürzen, erstmal sammeln, was man hat, und nicht schon wieder neue Fragen aufwerfen, ohne vorher einen Punkt gemacht zu haben. Punkt. Gut, machen wir weiter:
Fisch. Für was steht ein Fisch? Ein Fisch lebt im Wasser, er ist schuppig und doch glatt. Ein Fisch hat glasige Augen und sieht dennoch ganz klar. Macht ein Mensch unter Wasser die Augen auf, so sieht er verschwommen, doch der Fisch mit seinen glasigen Glubschaugen sieht ganz klar. Ob ein Fisch außerhalb des Wassers verschwommen sieht?.. Cosma, ist das relevant für das Stück? –Weiß ich noch nicht- weiter, was noch? Wo taucht dieses Fischmotiv noch auf?
In der Namensgebung. Für den Zuschauer unsichtbar, doch für die Darsteller wichtig:
die sogenannten sprechenden Namen.
Da haben wir Osvald, den süßwasserliebenden Karpfen, der sehr dominant und schwer zu fangen ist.
Wir haben Roland, den Srömling, ein Hering, der wie der Name schon sagt mit der Masse schwimmt und der nur im Salzwasser leben kann,
und wir haben den Mann, den vorsichtigen, schwer zu überlistenden Zander.
So, liebe Laura, nun musst du dich entscheiden, wer soll dein Herzblatt sein? .. Ach nee, schon wieder sind die Gedanken abgeschweift.. Laura ist eine Forelle, die sowohl in süßem, als auch in salzigem Wasser leben kann. Soviel zur Namensgebung, die sicherlich nicht durch Zufall entstanden ist. Und, lichtet sich schon was? –Nein, nicht wirklich- egal, nicht aufgeben, weitersuchen. In der Astrologie steht das Zeichen Fische, für Träumer, realitätsfern und abgehoben.. Ja das passt, mit sowas wie Träumen arbeitet unsere Komödie ja auch.
Was passiert in dem Stück? Gefühle und Träume gelangen an die Oberfläche.. die Oberfläche.. nicht etwa die Wasseroberfläche? Aus den sicheren Tiefen des Wassers, wo der Fisch lebt und atmet. Außerhalb des Wassers erstickt der Fisch. Platzen unsere Träume dann, wenn sie an die Oberfläche kommen? Eieieiei.. ich wusste ja, es wird nicht einfach..Was noch? Mir fällt nichts mehr ein, also habe ich alles? Klingt auch alles passend für das Stück, aber wo zum Teufel ist da jetzt der Sinn?
Sind da jetzt vier Jugendliche, die uns eine Lektion erteilen wollen?
Oder sind das etwa vier Fische, deren Leben wir außerhalb des Aquariums betrachten? Vielleicht hat das Stück ja auch gar keinen Sinn, sondern Tätte schrieb es einfach nur des Geldes wegen …

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